Kolumne, schöneWelt
Kommentare 8

Wie es war, einen Tag lang 80 zu sein.

(Werbung / bezahlt!*) Es gibt Themen, die mich vor 10, 15 Jahren so überhaupt nicht interessiert haben, weil sie mich persönlich nicht betroffen haben. Dazu zählen älter werdende Eltern/Schwiegereltern und deren Pflege. Das ist heute anders. 

Mein Vater ist 71. Laufen kann er nur noch mit Mühe. Es fällt ihm schwer, das zuzugeben. Doch es ist so. Meine Schwiegereltern, die ich sehr mag, sind beide um die 80. Seit vier, fünf Jahren nehmen die gesundheitlichen Herausforderungen zu. Auch in ihrem Leben dreht sich viel um Arztbesuche, aktuelle Diagnosen und das Wieder-Fit-Werden. Das ist für alle Beteiligten, die Alten wie die Jungen, anstrengend. Es ist schwer, die eigenen Eltern und Schwiegereltern altern zu sehen. Zu realisieren, dass manche Dinge eben einfach nicht mehr gehen wie noch vor ein paar Jahren. Und ja, den Abbau körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Beweglichkeit bei ihnen wahrzunehmen. Geduld dafür zu aufzubringen im eigenen vollen Alltag. Und auch wenn mein Kopf weiß, dass das nun mal der Lauf der Dinge ist, heißt das ja nicht, dass es auch mein Herz weiß und verstanden hat…

Wenn ich solche „ungeduldigen“ Gedanken habe, kommt meist sofort das schlechte Gewissen um die Ecke und flüstert: Halt mal die Luft an, Du weißt doch gar nicht, wie das ist, 70 oder 80 zu sein. Vielleicht bist Du dann auch oft nörgelig und durch den Wind. Stimmt. Das weiß ich nicht. Und ich hätte wirklich gern mehr Verständnis.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Deshalb hab ich im Frühling ohne zu zögern die Einladung zu dem ungewöhnlichen Workshop „80 für einen Tag“ vom Onlinemagazin Lebenlang angenommen. Zusammen mit der Allianz Deutschland und der Allianz Agentur Wegwehrt & Weiß hat das Lebenlang-Team einen interessanten und überraschenden Tag organisiert, an dem ich mit drei anderen Bloggerinnen mit verschiedenen Hilfsmitteln eine Zeitreise in die Zukunft gemacht habe.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gesund älter werden. Das können wir aktiv mitgestalten: Impulsvortrag von Dr. Volkan Aykac

Den Anfang hat der Geriater Dr. Volkan Aykac gemacht, ein Vollblutmediziner, der seinen anstrengenden Job offenbar von Herzen liebt. So was schätze ich ja sehr.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Er hat gesagt, wie wir altern, das haben wir zu zwei Dritteln selbst in der Hand. Nur ein Drittel ist Vererbung und „Schicksal“. Das heißt, wenn wir heute gesund leben, uns bewegen und fit bleiben sowie vorsorgen für die Zeit ab 80, haben wir gute Chancen, einen selbstbestimmten Lebensabend zu erleben. Das klingt doch gut! Selbstverständlich gibt es kein Patentrezept, jede/r altert auf seine Weise. Eines ist jedoch klar, wenn wir heute in uns investieren, dann haben wir noch mit 80 was davon. Dazu gehören: ausreichend Bewegung, gesundes Essen aus frischen Zutaten, kein Nikotin, Alkohol in Maßen, Erholungspausen – also ein genussvolles Leben. Erste wichtige Erkenntnis.

Dass wir dennoch einmal Hilfe von Jüngeren brauchen werden, ist logisch. So war das schon immer und das wird auch so bleiben. Irgendwann schaffen wir es halt nicht mehr allein. Über 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, nur 15 Prozent der über 80jährigen leben im Pflegeheim. Und wie ich selbst bei meiner Omi mitbekommen musste, kann das teuer werden.

Stichwort für Christophe Vaughan von der Allianz Deutschland.

Es gibt Möglichkeiten, finanziell für eine eventuelle Pflege vorzusorgen

Er hat erläutert, dass es verschiedene Versicherungspakete gibt, mit denen man für eine Pflege im Alter rechtzeitig vorsorgen kann. Ich bin ehrlich: Als Versicherungsskeptikerin habe ich nur die Versicherungen, die ich unbedingt brauche. Das Thema Pflegevorsorge war für mich neu, ich fand es gut, weil ich schon heute mit über 40 keine Lust habe, damit meinen Kindern zur Last zu fallen. Eine gute Anregung, mich zu dem Thema beraten zu lassen. Schon die zweite…

Danach ging es an die verschiedenen Stationen, die das Lebenlang-Team liebevoll vorbereitet hatte.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Mit verschiedenen Spezialbrillen, die unterschiedliche Sehbeeinträchtigungen simuliert haben, habe ich dann in einem White-Room, also einem ganz in weiß gehaltenen Raum mit wenig Kontrasten, versucht, von weißem Geschirr unfassbar leckeren hellen Kuchen zu essen. Eine Herausforderung. Dritte Erkenntnis: Geduld ist wirklich wichtig. Das geht halt alles langsamer.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Sport frei! im Alterssimulationanzug

Danach sind wir in so genannte „Alterssimulationsanzüge“ geschlüpft, die die körperlichen Hauptfaktoren des Alterns simulieren. Manschetten und eingenähte Gewichte beeinträchtigen die Beweglichkeit. Damit haben wir dann ein paar Sportübungen gemacht. Es war schon möglich, aber eben sehr viel beschwerlicher. Man kann die Anzüge mieten, was ich total cool finde. Denn so können Produktgestalter, Designer und Entwickler, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Vereine und Verbände eine realistische Vorstellung bekommen, wie es eben ist Ende 70, Anfang 80 zu sein und was man beispielsweise im öffentlichen Raum oder bei der Produktentwicklung beachten sollte.

Meine vierte Erkenntnis war eher ein Deal mit mir selbst: „Gewicht halten und regelmäßig Sport machen. Ja, das mach‘ ich!“ So schwer zu sein, fand ich bescheuert. Hat mich an die Endphase meiner Schwangerschaften erinnert als ich 20 Kilo mehr hatte als normal.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Basteln mit gefühlten 80

Zeit für die Bastelstation. Mit Handschuhen, die die Beweglichkeit der Hände einschränken, einer Halskrause, mit der man sich nicht so gut drehen kann und einer dicken Brille haben wir dann eine kleine Pinnwand gebastelt. Auch das ist möglich doch sehr anstrengend. Fünfte Erkenntnis: Mehr Geduld, wenn es bei Oma und Opa bissel länger dauert. Hatten wir schon, oder?!

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Von ü40 zu ü70: Ich als runzelige Omi

Die eindrucksvollste Station war für mich die „Maske“. In einer 1,5-stündigen Prozedur haben mich zwei talentierte Maskenbildnerinnen von der Hasso von Hugo Maskenbildnerschule zur Omi werden lassen. Die Technik heißt „Altraffen“. Dabei wurde meine Gesicht zuerst komplett abgeschminkt und dann mit mehreren Schichten Latexmilch behandelt, so dass künstliche Falten entstanden sind. Um die Wangen behandeln zu können, musste ich auf ein Stück Schaumgummi beißen.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Altersflecken, graue Haare, null Schminke und ein geliehener schwarzer Schal haben mich dann so aussehen lassen.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

War eine krasse Erfahrung. Nach einer Weile fand ich es allerdings gar nicht so schlimm. Wenn ich mir vorstelle, dass ich später nicht im Beige versinke, Farben trage und mich nach wie vor schminke, werde ich ne niedliche fröhliche Omi sein!! Sechste Erkenntnis: Dass mit den Falten is gar nicht so schlimm. Und: Farben tragen!

Noch mal zur Erinnerung, das ist heute 😉

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Gefühlte 80: Was habe ich mitgenommen

Nach diesem intensiven Tag habe ich die Gewissheit mit nach Leipzig genommen, dass wir  selbst Verantwortung für unser Altern übernehmen müssen. Macht nämlich sonst keiner außer uns! Das heißt, dass wir uns möglichst schon in unseren 40er, 50ern und 60ern damit beschäftigen, wie und wo wir alt werden wollen und wer uns später einmal helfen soll, wenn wir Hilfe brauchen. Gesund älter werden ist möglich, auf uns selbst kommt es an!

Na ja, und außerdem habe ich eine gehörige Portion Demut und Nachsicht mitgenommen und mir vorgenommen, geduldiger zu sein.

Gesund älter werden I Achtzig für einen Tag I #gesundälterwerden #gesundleben #ü40 #ü50 #ü60 #lebenlang

Meine Schwiegereltern sind vor drei Wochen übrigens in ein Haus für betreutes Wohnen umgezogen. Sie haben das Jahr 2018 genutzt, sich auf diesen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, ihr Haus ausgeräumt und verkauft. Vor dieser Entscheidung habe ich ungeheueren Respekt, ich bewundere ihren Mut. Gleichzeitig bin ich unfassbar erleichtert, weil wir in verschiedenen Städten wohnen und ich sehr oft in großer Sorge um die Beiden bin. Nun ist also jemand da, der gleich helfen kann, wenn es nötig ist und dicke kommt. Und dann haben wir Kinder und Schwiegerkinder Zeit, uns aus den verschiedenen Städten in denen wir leben, auf den Weg nach Berlin zu machen, um sie zu besuchen.

Wie geht Ihr denn mit dem Thema um?? Würde mich echt interessieren. Was ist die größte Herausforderung für Euch, Eure Eltern oder Schwiegereltern altern zu sehen?? Freu mich über Eure Kommentare.

LG Anja

Fotocredit: Danke an die schönen Bilder, die von David Assim und Patricia Haas stammen. 

*  Transparenzhinweis: Ich wurde zu diesem Workshop vom Magazin Lebenlang eingeladen. Für den Post erhalte ich ein Honorar. Bezahlt wir mein Knowhow für Text und Bilder sowie meine Reichweite. Meine Meinung allerdings ist und bleibt meine eigene. Die ist nämlich unverkäuflich. Herzlichen Dank an das Lebenlang-Team für die gute Zusammenarbeit und das liebevoll vorbereitete Event. Ich habe viel gelernt!

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

 

8 Kommentare

  1. Kerstin Lenz sagt

    Hallo Anja, mal wieder Zeit für einen Kommentar: Ich bin so erleichtert, dass meine Mutter neu einen Mitbewohner hat. Ihr 23jähriges Patenkind lebt nun – zumindest bis nächsten Sommer – bei ihr im grossen, etwas verwaisten Haus. Sie haben es unglaublich gut miteinander. Gruss von der lesenden Ex-Kollegin aus Zürich!

    • Liebe Kerstin,
      ach, schön von Dir zu lesen!! Ich kann es aus beschriebenen Gründen echt gut verstehen, dass Du über den Mitbewohner Deiner Mama froh bist. Ihr habt es ja noch ein Stück weiter von Zürich aus… Wünsche Dir eine schöne Rest-Adventszeit und hoffe, alles prima bei Dir/Euch!!

      LG Anja

  2. Jessica Greulich-Lindner sagt

    Hallo,
    Tolles Thema… wir selbst erleben es gerade bei meinen Großeltern die leider nichts gesundheitliches für dich getan haben. Sie haben sich Krank gegessen und dazu kommt noch die Uneinsichtigkeit das Sie nicht mehr alleine im Haus leben können. Auch wir haben angeboten Sie zu uns zu nehmen.Mal sehen vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif. Ich beginne bereits jetzt in vielen Punkten meinen Körper fit und gesund zu halten und dies bereits an die Kinder weiter geben.
    Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit bis bald
    J.Greulich-Lindner

    • Liebe Jessi,
      vielen Dank. Ich drück die Daumen, dass Ihr eine Lösung findet und kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr Dich das belastet!!

      LG Anja

  3. Toller Beitrag, liebe Anja. Ich denke, dass uns mal dasselbe erwartet, was unsere Eltern jetzt erleben, vergessen wir oft im Alltag. Ich schließe mich da nicht aus. Und wir kommen alle mal dahin. Danke für den schönen Beitrag und das „Augen öffnen“. LG Kerstin

    • Liebe Kerstin,
      ja, die Geduld… Ich denke, was wir besser machen können, ist, uns schon heute damit auseinander zu setzen. Und zeitig was zu tun und vorzusorgen. Unsere Elterngeneration verdrängt das Thema oft noch und fängt erst an, sich damit auseinander zu setzen, wenn es ein nich mehr anders geht…

      Ich schicke liebe Grüße ins Schwabenländle!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.