Kolumne, schöneWelt
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Gibt es ein Leben nach 40?! oder: Ich möchte nie wieder 20 sein!

40 werden. Das ist… Das ist… Das ist großartig! Liebe Birgit von emmabee  – dieser Post hier ist für Dich! Denn Birgit hat heute Geburtstag und wird 40. Für sie und für Euch und für mich schreibe ich heute darüber, wie es ist, 40 zu werden und zu sein. Denn: Ich möchte nie im Leben wieder 20 Jahre sein. Ehrlich.

Den Körper: ja, den Rest: nein!

Ok,  den Körper würde ich schon zurücknehmen. Doch meine „geistige Reife“ von damals? Nein, danke. Das hieße ja, alle Erfahrungen noch mal machen (zu müssen)… Also auch die, die echt Kacke waren. Un dennoch wichtig. Nee, nee, nee. Ich bin total froh über die Gelassenheit, die sich in den letzten Jahren eingestellt hat. Jede meiner Falten ist wirklich hart erkämpft. Ich habe geackert, um an diesen heutigen Punkt zu kommen. Das war manchmal unfassbar anstrengend. Doch ohne diese Anstrengung geht es nun mal nicht. Das ist halt das Leben. Rückblickend war jede noch so minikleine Krise echt wichtig. Sie hat mich zu der gemacht, die ich heute bin.

Wenn Dir die Lebenserfahrung leise ins Ohr flüstert…

Überall höre ich von den schlechten Seiten des Alterns, dass es hier ziept und dort knittert. Klar, das nervt manchmal. Und bei mir stehen auch die Anti-Aging-Créme-Töppe im Bad. Doch mal ehrlich: Das was es dafür gibt, die Lebenserfahrung, die macht das doch wett. Ich finde es wirklich großartig, wenn ich meine innere Stimme leise flüstern höre: „Oh, oh – das ist doch wieder so ne Kiste, die Du von da und da kennst. Und die Dir nicht gut tut. Lass es einfach, Du weißt es doch inzwischen besser.“ Oder: „Ach, komm‘ warte erst mal ab, wie sich das Ganze entwickelt. Das wird schon noch.“ Ich kenne das aus allen Lebensbereichen: im Umgang mit meinen Kindern, im Job, bei Freundschaften und auch in meiner Partnerschaft. Ich weiß inzwischen (fast immer), was ich nicht abkann, wo meine Grenzen liegen und wo ich dahinschmelze und dahinschmelzen will. Was selbstverständlich nicht heißt, dass ich immer auf diese innere Stimme höre oder hören will :-).

ü40 - aber ja!

Jung-Sein ist keine Frage des Alters.

Als ich so 25 war, hielt ich Leute mit 40 für halbtot. Die Meisten zumindest. Fühlte sich einfach so an. Heute weiß ich, das liegt daran, dass es eben ein „Alt-Sein“ und ein „Alt-Sein“ gibt. Manche Menschen sind schon mit 20 festgefahren in ihren Ansichten, sie denken und handeln in engen Grenzen. Das sind für mich Synonyme für „Alt-Sein“. „Jung-Sein“, heißt dagegen für mich, sich die Flexibilität im Kopf zu bewahren. Offen zu bleiben, neugierig und tolerant.

Die große Krise zum 40. Geburtstag.

Liebe Birgit, Du hast Dir vor einem Jahr hier schon mal Gedanken darüber gemacht, was es heißt, 40 zu werden. Offenbar in einer Zeit, in der viel bei Dir in Bewegung war. Da schwingt so bisschen Angst mit – zumindest lese ich das aus Deinem Post raus. Ich kann das gut verstehen. Als ich 40 geworden bin, hatte ich ne echte Midlife-Crisis. Beruflich hatte ich eine sehr anstrengende Zeit hinter mir und war völlig ausgepowert. Drei Jahre lange hatte ich mit einem meiner besten Freunde eine eigene Agentur aufgebaut. Wir haben sehr viel Geld, Kraft und Energie in diese Firma reingesteckt. Ich war zudem schwanger in dieser Zeit und habe mein zweites Kind bekommen. Quasi nebenbei. Bis kurz vor der Geburt und schon nach zwei Monaten saß ich wieder im Büro, ging halt nicht anders. Und trotz allem Engagements musste ich irgendwann einsehen, dass es nicht funktioniert.

Nicht soo funktioniert, dass es mit meiner privaten Situation zusammenpasst – in der ich eben auch noch Mutter und Ehefrau sein möchte. Ich habe mich also gegen die Agentur entschieden, war am Boden zerstört und wusste nicht, wie es beruflich weitergeht. Ich hatte das Gefühl, gescheitert zu sein. Ich, die ich so gern arbeite, war fertig mit der Welt und hatte Null Block mehr, zu arbeiten.  Ich war ausgebrannt, konnte nicht mehr kreativ sein, hatte eine Schreibblockade.

Over40 - das geht!

Job, Mann, Haus, Kinder: Und nu?!

Privat habe ich mich gefragt, was jetzt noch kommt. Mann, Kinder, Haus – da war überall ’n Haken dran. Kein geplanter, das hatte sich immer einfach so ergeben. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die schon im  Kindergarten von ihrer Hochzeit geträumt haben. In der Zeit um meinen 40. Geburtstag habe ich gefragt, was jetzt noch passieren soll. Es war eine schwierige Zeit. Doch irgendwann ist es besser geworden. Und irgendwann habe ich ein neues Projekt für mich gefunden: das Bloggen. Ich habe Feuer gefangen. Ich habe mich da rein gebissen und habe angefangen, zu lernen. Ich wollte das einfach können. Ein ganzes Jahr – 2014 – habe ich die Blog-Idee mit mir rumgetragen. Habe Konzepte und To-Do-Listen geschrieben, gelesen und recherchiert. Im Januar 2015 haben Conni und ich begonnen, zu schreiben. Ein halbes Jahr später sind wir online gegangen, ohne dass jemand davon wusste. Nur für uns. Heute kann ich sagen, das war eine meiner besten Entscheidungen ever. Ich habe die Freude am Schreiben, meine Kreativität und Lebendigkeit wieder gefunden. Ich lerne so viel – und ich LIEBE das, was ich tue. Das ist das Allerbeste daran.

Krisen sind wichtig.

Heute denke ich – im August werde ich übrigens 44 – diese 40er-Krise hat halt sein müssen. Ohne sie wäre all das nicht passiert und hätten wir uns übrigens auch nicht kennengelernt, was echt doof gewesen wäre, nich?! Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin. Langer Rede kurzer Sinn: Sollte sich irgendwie eine miniklenes Tief anschleichen oder angeschlichen haben – es muss ja nicht gleich ein berufliches Implodieren sein wie bei mir – na und: Umarme es! Hinterher wird’s (noch) besser. Glaube einer alten und seeehr erfahrenen Frau :-)!! Ich will Dir und allen Anderen Mut machen, die Krisen, die Dellen, die Täler rund um die 40 als Chance zu nehmen. Sie machen uns reifer und ich finde – irgendwie auch schöner. Anders schön als ein unbeschwertes, frisches, junges Mädchen mit 20, klar. So wissend-attraktiv-schön.

Es wird immer besser!

Also meine liebe Birgit: Ich wünsche Dir von Herzen Gottes Segen, Glück, Gesundheit, Mut. Für Dich und Deine Familie. Für Deinen herrlichen Blog. Für Deine Selbständigkeit. Für alles das, was kommt. Genieße Deinen Geburtstag. Und es wäre wirklich toll, wenn das der Anfang einer Blog-Post-Freundschaft (aka Brieffreundschaft) wird :-)!!

Und Ihr Anderen, die Ihr so um die 40 seid: Lasst es uns genießen, verflixt und zugenäht, und lasst uns weniger nörgeln! Und Ihr, die Ihr jünger seid: Freut Euch drauf, älter werden, das ist cool.

…Gibt es also ein Leben nach 40?! Jo.

Und es wird eigentlich immer besser.

Alles Liebe zum 40. Geburtstag!

PS: Birgit und ich kennen uns noch nicht sooo lange, wir haben uns im März auf der Blogst in Stuttgart kennengelernt und schreiben uns seitdem mehrmals die Woche – zu Blogthemen aber auch sehr persönlich. Daraus ist die Idee einer Blog-Post-Freundschaft entstanden.

PPS: Hab Ihr Angst vorm 40-werden bzw. wie habt Ihr die Zeit um Euern runden Geburtstag erlebt??

Liebe Grüße, Anja

 

 

10 Kommentare

  1. Mir geht es auch so, dass ich keinen Tag jünger sein möchte. Ich bin 44 und das ist fein. Ich bin gerne 40 geworden, habe aber kein Brimborium darum gemacht. Innerlich fühle ich mich eher wie Mitte 50 und auch das passt für mich. Viele Erfahrungen = viel gefühltes Alter. Mein Thema ist eher, dass meine „Löffelliste“ seit Jahren leer ist und mir die Ziele fehlen. Aber Ziele nur um der Ziele wegen setzen? Nein. Dann lieber zufrieden mit leerer Liste.

    • Anja sagt

      Liebe Ines,
      da hab ich doch gleich mal unseren Spam-Ordner aufgeräumt und noch zwei liebe Kommentare von Dir gefunden. So sorry!! Ich gelobe, da jetzt regelmäßig reinzuschauen!

      Und zur 40 und den Zielen: Ich habe meinen 40. erst ein Jahr später mit einer Mädelsgruppe („Damentee“) gefeiert… 🙂 In dem eigentlichen Jahr war mir nicht nach feiern – siehe Post. So statische Ziele habe ich auch nicht. Durch Zufall ist mit die Bloggerei begegnet. Und ich wollte das einfach können und habe mich da reingebissen. Inzwischen ist das schon ein Ziel, damit noch besser zu werden und sich weiterzuentwickeln. Sozusagen ein Ziel, dass sich irgendwie so reingeschlichen hat in mein ü40er-Leben… Herzliche Grüße, Anja

  2. Angelika sagt

    Es gibt sogar ein Leben nach 50! Und was soll ich sagen: ich hatte eine Krise mit 31 wegen der 30, keine Krise mit 40, aber ein halbes Jahr Bauchschmerzen vor der 50. Mit Falten, die mich vll stören, kann man sich gut abfinden, mit dem Zwicken hier und da weniger, es ist aber nicht zu ändern. Wichtig war für mich manchen Dingen einfach ihren Lauf lassen zu können, immer mehr, wenn ich sie sowieso nicht ändern kann. Gelassenheit und Ruhe zu finden, langsam. Was mich stört: viele in meinem Umfeld reden schon vom Ruhestand, ich starte grad nochmal durch. Hab so viel vor, privat und auch im Job. Meine besten Zeiten waren rückblickend Mitte bis Ende 30 und ab Mitte 40. Bisher. Ich weiß, es kommt noch ganz viel. Das Beste: ich kann, ich muss nicht. Und das ist herrlich! Freut Euch drauf!

    • Anja sagt

      Liebe Angelika, ein riesen Danke für Deinen Kommentar. Herrlich, dass Du das so siehst. Meine Lieblingssätze: „Ich weiß, es kommt noch ganz viel. Das Beste: ich kann, muss es nicht.“ Genau.so.ist.es. Herzliche Grüße, Anja

  3. Ich habe ein bisschen mit dem 44sten gehadert. Aber siehe da, einen Monat nach meinem Geburtstag lebe ich immer noch. Obwohl schon 40 damals für mich gleichbedeutend mit steinalt war. ;))

    Gemessen an diesem „mein Mann, mein Haus, mein supertoller Job, mein Boot“ (oder so ähnlich) habe ich auch noch einiges zu erreichen, was vielleicht ganz gut ist. So komme ich gar nicht dazu, mich nur auf die körperlichen Veränderungen zu konzentrieren. Denn die gibt es und einige davon nerven mich auch ein bisschen. Aber ich kann (oder will) es nicht ändern, also lebe ich damit. Was willste machen? 😉

    Herzlichen Gruß
    Anna

    • Anja sagt

      Liebe Anna,
      ich werde dieses Jahr auch 44. Und eigentlich habe ich keinen Bezug zu dieser Zahl. Ich fühle mich so Mitte/Ende 30… 😉 Mir ist wichtig, in Bewegung zu bleiben, Neues zu lernen, immer wieder was erreichen zu wollen – so wie Du es schreibst. Und bloß nich immer auf das zu gucken, was schlechter ist als früher, das macht mich schwermütig. Und bringt ja auch bloß nüscht. Danke, dass Du Dir die Zeit für genommen hast, zu kommentieren – das ist immer das Allerallerschönste :-). LG und einen Knaller-Montag 🙂 Anja

  4. Wird es wirklich immer besser? Hm. Bis kurz nach 40 habe ich das auch gedacht, aber so kurz vor 50, wenn dann die Gleitsichtbrille ansteht und so manches andere – da komme ich dann doch ins Grübeln.
    So what, ändern kann man eh nichts, oder? Leben ist nun mal ein Abenteuer mit Hochs und Tiefs und genau das macht es so spannend. Also einfach happy weitermachen…

    • Liebe Bärbel,
      ach, ne Brille hab ich auch inzwischen. Vielleicht seh ich das kurz vor 50 ja anders… Mit dem Post wollte ich sagen, wie schön ich es finde, dass das innere Gleichgewicht, was ich mit 20 und 30 intensiv gesucht habe, sich erst nach 40 eingestellt hat. Und das finde ich ziemlich cool! Neben der ganzen Altersmeckerei sollte das doch auch mal gesagt werden, oder?! Werde übrigens gleich mal bei Dir vorbeischauen. Danke für Deine Kommentare!

      Herzliche Grüße von Anja

  5. Schöner Artikel! Ich finde Ü40 ja gar nicht schlimm sondern stimme dir voll und ganz zu. 30 war schrecklich, ganz schlimm für mich von den Zwanzigern in die 30er zu rutschen. Aber auf die 40 habe ich mich gefreut und genieße sie in vollen Zügen (und manchmal mit Gleitsichtbrille).
    Ich freue mich, deinen Blog gefunden zu haben und schaue jetzt regelmäßig vorbei. Liebe Grüße nach Leipzig,
    Steffi

    • Anja sagt

      Liebe Stephanie,
      das freut mich!! Ähem, ich hab auch seit ein paar Monaten eine Brille, die ich immer mal wieder brauche und dann wieder nicht. Damit kann ich echt gut leben. Für mich überwiegen wirklich die Vorteile am 40 sein. So, und nun gucke ich gleich mal bei Dir vorbei.
      Herzliche Grüße von Anja

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