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ibug: Wenn Industriebrachen zu Kunstobjekten werden.

Verfallene Gebäude und alte Industriegelände sind fazinierend. Morbide. Bedrückend. Und auf ihre Art wunderschön. Sie zu Kunstobjekten auf Zeit umzugestalten, ist eine der Grundideen der  ibug-art.

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Fotocredit: Patrick Richter.

ibug steht für „Industriebrachenumgestaltung“. Das Kunstfestival findet schon zum 11. Mal statt, diesmal in Limbach-Oberfrohna, einem kleinen Ort bei Chemnitz (Südsachsen). Verrückt, dass ich noch nie davon gehört habe, wo ich doch Streetart echt mag. Die Macher der ibug, eine bunte Truppe um den Streetartkünstler Tasso, haben sich dieses Jahr eine alte Färberei zum Umgestalten ausgesucht, den ehemaligen Volkseigenen Betrieb (VEB) Buntfärberei, seit 20 Jahren dicht. In dieser Zeit ist das Gelände zugewuchert, die Decken sind teilweise eingestürzt, Farne wachsen aus Ritzen.

Zusammen mit über 100 Künstlern aus der ganzen Welt hat das ibug-Team das Gelände und die Gebäude begehbar gemacht und in ein Gesamtkunstwerk verwandelt. Vergangenen Samstag hab ich mir das Ganze angesehen und war echt beeindruckt. Eigentlich wollte ich nur kurz vorbei und bin dann vier Stunden geblieben, habe eine Führung mitgemacht und noch zwei, drei eigene Runden über das Gelände gedreht und immer wieder was Neues entdeckt. Habe Leute angesprochen, bin mir Künstlern ins Gespräch gekommen. War großartig.

Mit unheimlich viel Detailliebe haben die Künstler das Areal besetzt und umgestaltet, alte Elektrokästen verschönert oder herumliegende alte Ordner, Lieferscheine und Kabel zu Installationen verarbeitet.

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Fotocredit: Patrick Richter.

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Fotocredit: Patrick Richter.  

Da gibts Grafitti, Collagen, Installationen, Performances – so bunt wie die Künstler und ihre Biografien, so bunt und unterschiedlich sind die Kunstwerke geworden. Ich finde es außerdem großartig, das bunt gemixte Publikum zu erleben. Da sind viele junge Leute (ich hatte das Gefühl, die Einzige Nicht-Tätowierte zu sein 🙂 ) und auch viele Ältere. Vor allem die älteren Besucher kennen das Gelände offenbar, manche haben früher hier gearbeitet. Ich lausche bei einigen Gesprächen ein bisschen mit. Was sie reden, hört sich ein bisschen melancholisch und zugleich beeindruckt ein. Die meisten der Älteren haben das erste Mal Berührung mit Streetart, kennen Grafitti nur von den Tacks auf der Straße, die auch bei mir als Schmierei durchgehen.

Hier begreifen sie, dass das Kunst ist.

Fotocredit: Patrick Richter.

Nach meiner Führung mache ich eine kleine Pause und hole mir am Stand der Vleischerei, das ist eine vegane Dönerbude aus Leipzig, einen Vöner – also einen veganen Döner. Neben mir steht ein minikleines älteres Ehepaar, Mitte 60 vielleicht. Mir ist klar, dass die beiden nicht wissen, wo sie da anstehen. Ich spreche sie an: „Hier gibt es nur Dinge ohne Fleisch – wollen Sie so was essen??“ „Nee, nee, nee – das ist nischt für mich“, antwortet der kleine Opi wie aus der Pistole geschossen in schönstem Chemnitzer Sächsisch. Und beide wackeln dankbar zum nächsten Stand, wo es ne „richtsche Bratwurscht“ gibt. Das is ibug.

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Fotocredit: Patrick Richter

Fotocredit: Patrick Richter

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Fotocredit: Patrick Richter

IBUG I www.schoenesleben.net

In der Mitte: Naamloozz aus den Niederlanden macht ne Pause. Und ich darf gern ein Foto machen :-). Cooler Style, finde ich…
IBUG I www.schoenesleben.net

Die Kunst beschränkt sich nicht auf das direkte Fabrikgelände, die Künstler haben auch einige angrenzende Häuserwände gestaltet. …Haben sich die Nachbarn gewünscht.

IBUG I www.schoenesleben.net

Und zum Schluss: Suchbild mit Birke. Erkennt Ihr das Kunstwerk?? Ich hab ne Weile gebraucht…

Falls Ihr Euch das Ganze noch mal selbst anschauen wollt, gute Nachricht: Normalerweise ist die ibug nur ein Wochenende, immer das letzte Wochenende im August, geöffnet. Dieses Jahr gibt es eine Ausnahme. Weil ein großes Volksfest in Limbach stattfindet, ist die ibug auch am 3. und 4.9.2016 geöffnet.

***

Was: ibug – Festival für urbane Kunst

Wo: ehem. VEB Buntfärberei, Weststraße 52, 09212 Limbach-Oberfrohna

Wann: 3.-4.9.2016, 10.00 – 20.00 Uhr

Kosten: 7 € für Erwachsene (Kinder hab ich vergessen, zu fragen)

***

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7 Kommentare

  1. Michael sagt

    Schöner Beitrag. Danke, Anja! Nur ein kleiner Hinweis: Die ibug ist (war) zum Tag der Sachen vom 2. bis 4. September geöffnet… 😉

  2. es ist wie bei einem Christo-Happening, dabei sein ist/war alles. Unbedingt vornehmen im nächsten Jahr: ibug ist die überzeugendere Ostrale (Dresden) und beweißt, jenseits der großen Kulturzentren in Sachsen findet auch ganz Großes statt. wir sind versöhnt mit der Provinz und waren begeistert von der Atmosphäre, den Leuten, den professionellen Führungen, der Kunst.

    • …So isses!! Auf der Ostrale war ich noch nie, muss ich gestehen. Ist noch auf meiner to-do-Liste. Freu mich auf Montag!!

      Herzliche Grüße und Danke für den Kommentar. Ist mit das Beste am Bloggen 🙂

      Anja

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