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Kindergeburtstagsparty in cool.

Ich bin ja nicht so der Kindergeburtstagsparty-Typ. Zuerst der ewige Entscheidungsprozess, wer kommt, wie viele kommen, was machen wir? Einen Termin finden, das Ganze organisieren inklusive Kind zum Einladungsschreiben drängeln und dann die Party, ähm, überstehen, das Chaos beseitigen und ein überdrehtes Kind ins Bett bugsieren… Dass es auch anders geht, hat die Party meines Sohnes in diesem Jahr gezeigt. Und das war so:

Nach einem HipHop-Tanzkurs in den Sommerferien wollte mein elfjähriger Basketballer sooo gern einen Sprayerkurs machen. Also ehrlicherweise wollte er am Anfang die Garage ansprühen. Von außen. Nach elterlicher Kurzintervention, dass er ja zuerst mal einen Workshop machen und danach eventuell die Garage (von innen) ansprühen dürfe, fand er die Idee toll. Getrieben von der romantischen Vorstellung: Ich nehme mal die Sprühpulle in die Hand und zack! ist da das herrlichste Graffito fertig.

Weil ich Graffiti und Streetart wirklich mag, dachte ich mir: Wie wäre es dieses Jahr mit einer Geburtstagsparty, die auch mir Spaß macht?! Zu meinem Sohn sagte ich: „Lass uns das doch dieses Jahr zu Deinem Geburtstag machen. Das finden Deine Freunde bestimmt toll, ich schau mal, ob es so was in Leipzig gibt.“

Also habe ich recherchiert und den Graffitiverein Leipzig e.V. entdeckt und angefragt. Ja, die machen auch Workshops!, bin leicht in die Knie gegangen ob des Preises, habe das Geld von den Omis und Opis, Tanten und Onkel eingesammelt (hatten wir gleich ein sinnvolles Geschenk von allen) und …gebucht. Mein frisch gebackener Elfjähriger war begeistert. Und es hat ihn auch nicht gestört, dass er nur drei Freunde einladen konnte. An einem Montag in den Oktoberferien haben wir am Nachmittag seine Freunde eingesammelt und sind bei ohrenbetäubendem Lärm (laute Musik plus vier aufgeregte Teenager) zum Werk II gefahren. Das ist ein altes Industrieareal, 1848 als Gasmesserfabrik erbaut. Zu DDR-Zeiten wurden hier Werkstoffprüfmaschinen hergestellt, heute haben auf dem Gelände verschiedene Vereine und Werkstätten ihr Zuhause, es finden Märkte und Veranstaltungen statt. Seit 2004 gibt es an den Außenwänden der Hallen A und D eine „Wall Of Fame“, an denen Sprayer legal sprayen können. Hier treffen wir Dirk vom Graffitiverein, selber Sprayer. Er gibt im Verein und bei wespray Kurse für Privatpersonen wie Firmen – Sprühen als Mitarbeiterincentive, auch cool.

Zuerst gibt Dirk den Kids eine kleine Einführung: Wo darf man sprühen, wo nicht und was sind die Regeln. Beispielsweise sollte man Bilder nicht einfach übersprühen (und damit das Kunstwerk zerstören), sondern zuerst weiß überstreichen und dann neu bemalen. Das gebiete der Respekt. Außerdem erklärt er anhand der vorhandenen großartigen Kunstwerke die unterschiedliche Handschrift von Sprayern, die aus verschiedenen Gegenden kommen – beispielsweise Berlin und Thüringen.

Danach dürfen die Kinder selbst probieren mit unterschiedlichen Farben und Aufsätzen. Los gehts an A2-Plakaten auf der Wand. Alle vier Kinder sind total konzentriert dabei. Wir haben mega Glück mit dem Wetter: sonnig trotz kaltem Wind. Mir ist ganz schön kalt. Die Kinder sind so vertieft, die bekommen nichts mit. Ein Glück, dass ich mir ne Thermoskanne mit heißem Tee eingepackt habe.

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Nach dem Plakat gehts an die Staffelei. Dort sollen die Kinder probieren, ihren Namen zu sprühen. Wer möchte, kann vorzeichnen. „Auch die Profis haben ein Skizzenbuch und zeichen sich ihre Bilder vor“, erklärt der Workshopleiter. Der beste Freund meines Sohnes, der zu Hause häufig mit seinem Bruder zeichnet, hat sofort eine Skizze fertig. Wann immer es bei einem Kind hakt, hilft Dirk. Die Kinder merken, einen geraden Strich zu sprühen, ist schwer. Da gehört viel Übung dazu. „Bei mir hats fast ein Jahr gedauert, bis ich das an der Wand konnte“, sagt Dirk.

Ich probiere auch ein Plakat. Macht Spaß! Ich verstehe danach, warum den Kindern der Finger vom Sprühen schmerzt. Ganz schön anstrengend, längere Zeit den Sprühknopf zu drücken.

Nach zweieinhalb Stunden hat jedes Kind drei Plakate gesprüht. Wir packen alles zusammen. Die Bilder müssen noch trocknen, wir deponieren sie im Vereinsbüro. Jetzt ist endlich Zeit für die Muffins, die ich dabei habe. Alle sind hungrig.

Wir fahren zurück nach Hause. Logisch, bei ohrenbetäubendem Lärm (laute Musik und noch lauteres Kindergeschrei). Ich kippe die vier bei „Pizza Pino“ ab. Das ist ein minikleiner Pizzaladen, gleich bei uns um die Ecke, wo Pino aus Sizilien seine hammerleckeren Steinofenpizzen zaubert. Jeder darf sich eine Pizza aussuchen und wir essen zusammen. Danach hören sie in das Album von Marsimoto rein,  das sich E. gewünscht hat. (Die Texte, oh Gott…) und ich bugsiere sie schließlich nach Hause.

Alle Beteiligten finden: „War cool.“ Ich auch.

Zwei Wochen später hole ich die Plakate ab, die mein Großer allen Gäste nachträglich überreicht. So haben die Kinder eine tolle Erinnerung. Bei ihm hängt das Plakat inzwischen in seinem Zimmer.

Das Garagenthema haben wir bisher ausgesessen…

 

2 Kommentare

  1. Man, das war ja ne tolle Idee! Fand ich genial, wie du den Emil und sein Interesse gleich bei den Hörnern gepackt und ihm und seinen Freunden die Möglichkeit gegeben hast, das Ganze gleich mal leibhaftig – unter professioneller Anleitung (genial!) – auszuprobieren! Und selber hast du auch noch was Neues dabei gelernt! Besser geht’s doch gar nicht für ne Kids-Geburtstagsparty… Können wir Erwachsenen uns für unsere Geburtstagspartys auch noch inspirieren lasssen… Klasse! 🙂

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