Macherinnen, schöneFrau
Schreibe einen Kommentar

Die schreibende Cafébesitzerin.

Ein SchönesLeben heißt für mich auch, interessante und inspirierende Menschen zu treffen. Deshalb wollte ich von Anfang an eine extra Rubrik auf dem Blog, in der ich Euch großartige Frauen vorstelle. Warum Frauen? Na, weil sie mich besonders faszinieren und weil sie meist ohne viel Gesummse die unglaublichsten Sachen wuppen.Den Anfang macht heute Rebecca Salentin, 37, die in Leipzig mit dem ZierlichManierlich das wohl schönste Sommercafé der Stadt betreibt. Außerdem ist sie Schriftstellerin und zweifache Mutter, Wahlleipzigerin und eine Frau, die weiß, was sie will.

Im Sommer Unternehmerin, im Winter Schriftstellerin

Seit 2009 gehören Rebeccas Sommer dem „ZierlichManierlich“ am Richard-Wagner-Hain nahe der Weißen Elster. Dort verkauft sie selbst gebackene Kuchen, Café und Eis. Außerdem kann man sich Spiele, Zeitschriften und Decken ausleihen. Ein wunderbarer Ort zum Genießen, Chillen, Reden und Zusammensein. Im Winterhalbjahr fährt die Wahlleipzigerin ihr Kontrastprogramm und …schreibt. Und zwar Bücher. Ihr letztes Werk ist vor einem knappen Jahr erschienen: „Schuld war Elvis“ – ein Familienroman über drei Generationen. Gibts hier, wer möchte.

Vor ein paar Wochen habe ich mich mit Rebecca zum Interview getroffen. Der Text hier ist ein Mix aus unserem Gespräch und den Emails der letzten Woche, denn Rebecca ist gerade auf Recherchereise in den USA. Schließlich ist ja Winter und damit Zeit für sie, zu schreiben.

ZierlichManierlich@Feinkost (6)

Rebecca konzentriert. Schnappschuß vom Streetfoodmarket in der Feinkost.

Rebecca, Dein Jahr ist genau in zwei Hälften geteilt: Von April bis Oktober ist ZierlichManierlich-Zeit, dazwischen arbeitest Du als Schriftstellerin. Woran schreibst Du momentan?

Seit letztem Winter arbeite ich an einem historischen Roman, der zwischen 1840 und 1940 spielt. Hauptfigur wird ein Kapitän sein. Deshalb bin ich seit Dezember in Louisiana auf Recherchereise und komme mit dem Schiff zurück, um noch tiefer in das Seefahrer-Thema einzutauchen. Ich bin total glücklich, dass ich dafür zwei Stipendien habe – eines vom Deutschen Literaturfonds und eines von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Wuahhh, das klingt ja wunderbar. Wie geht’s Dir gerade?

Ich sitze gerade in Martinique, in einem kleinen Café mit Wifi. Die Reise war bis jetzt der Hammer! New Orleans hat mich umgehauen: die Häuser, die Musik, die Geschichte der Stadt und das Essen, alles war einfach wahnsinnig mitreissend. In der Karibik habe ich mehrere Dschungelwanderungen unternommen, es gab ein Erdbeben und ich durfte auf einer Plantage aus dem 17. Jahrhundert bei der Kakaoernte und Verarbeitung dabei sein. Jetzt steht mir noch die Atlantiküberquerung bevor, alles in allem super aufregend. Aber ich vermisse meine Familie und Freunde furchtbar, ich bin eben doch zu gesellig für so lange Einzelreisen!! Für das Buch ist es allerdings super, ich habe Tonnen von Material gesammelt und werde die Abgeschiedenheit auf dem Schiff nutzen, um alles abzutippen.

Stichwort Familie: Du bis ja schon sehr jung Mutter geworden bist, noch vor dem Abitur, mit 18 Jahren. Was hat das mit Dir gemacht, wie hat Dich das Mutter-Sein verändert?

Puuuh, das hat mich total verändert. Natürlich was das keine geplante Schwangerschaft. Und das war auch nicht so leicht, ich bin auf dem Land groß geworden, da gab es viel Gerede, viele Leute fällen ja gerne ein vorschnelles Urteil. Das hat wahrscheinlich bei mir so eine Art Trotz ausgelöst, so „jetzt-erst- recht-mäßig“.  Ich habe dann sechs Wochen ausgesetzt und war im Mutterschutz. In der Zeit haben Mitschüler für mich mitgeschrieben. Danach bin ich wieder in die Schule gegangen. Ich hatte Glück, meine Schule hat mich total unterstützt. Die haben für mich sogar einen Stillraum eingerichtet. Und ich habe es wirklich geschafft, die Schule abzuschließen und sogar eines der besten Abiture meiner Stufe gemacht…

Woher hast Du die Kraft genommen?

Och, ich weiß gar nicht. Ich glaube, ich habe einfach gar nicht so viel nachgedacht. Auch als mein zweiter Sohn nach drei Jahren kam und ich kurze Zeit später alleinerziehend war, war das zwar hart, aber ich hab‘ einfach weiter gemacht und mich durchgekämpft. Auch ohne viel Unterstützung zu haben…. Ich wusste, ich will unbedingt schreiben. Also war mein Plan, nach Leipzig zu gehen und am Deutschen Literaturinstitut zu studieren. Ich habe mir die Stadt angeschaut, die hat mir gleich gefallen. Hier gab es bezahlbare Wohnungen und gute Kinderbetreuung. Also bin ich mit meinen beiden kleinen Jungs umgezogen, obwohl ich hier niemand kannte.

Offenbar ja genau der richtige Weg.

Ja, ich denke auch. Mit dem Literaturinstitut hat es zwar nicht geklappt, die haben mich nicht genommen. Meinen Weg habe ich trotzdem gefunden. Weil ich gern studieren wollte, habe ich es mit Journalistik versucht. Allerdings war mir nach drei Wochen klar, dass es das nicht ist. Also habe ich aufgehört und allein angefangen zu schreiben und 2007 mein erstes Buch veröffentlicht. Aber „nur“ Schreiben, das sollte es auch nicht sein. Und so habe ich 2009 das Zierlich eröffnet. Diese Zweiteilung tut mir sehr gut. Und mit der Familie passt das auch, meine Jungs sind ja jetzt schon groß – 14 und 17 Jahre.

Ganz anderes Thema: Wenn ich Dich im ZierlichManierlich sehe, fällt mir immer auf, dass Du viele Kleider trägst. Wo kaufst Du die?

Ja, ich trage immer grün, rosa und braun, das ist meine zierliche Farbkombi (lacht). Die Kleider kaufe ich eigentlich immer Second Hand, ich stehe total auf die Mode von NoaNoa. Leider neu ziemlich teuer. Auf ebay oder Flohmärkten werde ich häufig fündig.

Was sind eigentlich Deine Lieblingsplätze in Leipzig?

Das Café Cantona, das ist so bisschen mein verlängertes Wohnzimmer, hier sitze ich gern und schreibe. Weil ich kein Gluten vertrage, muss ich leider immer aufpassen, was ich esse. Hier habe ich meine eigene Würzsoße, der Koch achtet extra drauf. Außerdem mag ich es total, am Elbe-Elster-Kanal Rad zu fahren, ein Boot auszuleihen und durch Plagwitz zu paddeln. Leipzig ist so grün, das gefällt mir.

Herzlichen Dank für Deine Zeit. Wir schicken ne riesen Ladung Kreativität plus Schreiblust über den Ozean und freuen uns schon auf April und die neue Zierlich-Saison.

 

 

 

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.