Kolumne, schöneWelt
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Tschüss Komfortzone!

Tschüss Komfortzone

Vor ner Weile bin ich mit Karacho aus meiner Komfortzone gekickt worden. Es kam unvermittelt und mit einer Wucht, die ich nicht erwartet hatte. Nun ist es nicht das erste Mal, dass das Leben mir ne Breitseite gibt. So gehört das nun mal, die Täler komplettieren unser Leben.

Tschüß Komfortzone!

Trotzdem hat es mich (mal wieder) kalt erwischt, das Leben. Was dann folgte: riesengroßer Schmerz, Selbstvorwürfe (völlig bescheuert), Trauer, Wut, Verletztheit, Selbstzweifel (noch beknackter), Selbstmitleid (absolut eklig).

Ich hasse es, schwach zu sein. Das muss aber eben auch manchmal sein, hab ich gelernt. Also: Es ist ok, mal so richtig down und traurig zu sein, dem Schmerz Raum zu geben. Zu trauern. Das Unerträgliche zuzulassen. Zu heulen und aufzustampfen. Wut zu haben auf den Partner, die Freundin, den Sohn, die Eltern, die Schwiegermutter, den Bruder – wen auch immer Du dafür verantwortlich machst, Dich aus Deiner vermeintlich heilen Welt geschubst zu haben.

Doch wichtig ist, dass Du irgendwann, am besten, Du wartest nicht so lange, damit Schluss machst. In jedem Kick aus der Komfortzone liegt die Chance auf ein neues, ein besseres Leben. Weil Du nämlich wieder was gelernt hast über Dich! Weil Du gereift bist, gewachsen bist. Und das passiert nun mal nur in Krisen. Und am allermeisten in den wirklich tiefen Krisen. Den Lebenskrisen.

Es ist leicht, die Fehler bei anderen zu suchen, zu stalken und zu gucken, wo lief wann was schief. Wer hat wann, was falsch gemacht? Es ist leicht, die Fehler zu sammeln und sorgsam einzustapeln in einen großen Sack. Einen Sack, dem Du dem anderen dann vor die Füße knallst. …wer auch immer der oder die Andere sein mag: Deine Mutter, Dein Vater, Dein Partner, Dein Kind, die andere Frau, Dein Chef, Deine Kollegin, Dein bester Freund.

Doch genau genommen bringt Dich das kein Stück weiter. Weiter bringt Dich, wenn Du ehrlich schaust, was DU willst. Was Dich schon lange gestört hat, eingekuschelt in Deiner Komfortzone, wo Vieles so angenehm gewohnt war – aber eben auch so Scheiße. Wenn Du mal ehrlich bist.

Es geht darum, sich frei zu machen von kleingeistigen Gedanken, von Missgunst, Vergeltungswillen und dem Wunsch: „Das wird er oder sie bereuen.“ Die immer gleiche Opfertour: „Er (oder sie) hat dies und das gemacht und jenes aber dafür nicht!“ füllt Insta-Stories, Blogs, Podcasts, Mädels-Abende, liefert Stoff für Zeitschriften und Film-Schmonzetten. Und ehrlich: Mich widert das an. Ich lese oder schaue das nicht. Nervt mich. Bringt nämlich nix.

Ich bin davon überzeugt, wer nur bei dem Anderen ist, statt bei sich selbst, kann nie glücklich sein. Oder werden.

Deshalb frage Dich, was ist Dir wirklich wichtig, was willst Du mit Deinem Leben anfangen, wie viel Abenteuer soll in Dein Leben reinpassen und wie viel Kreativität? Wie viel Sicherheit brauchst Du wirklich und wie viel Besitz? Möchtest Du vielleicht mit leichterem Gepäck reisen? Muss es echt ein Haus sein? Und ein Auto. Oder sogar zwei? Sei ehrlich mit Dir, auch wenn es anstrengend ist und schau genau hin, ob genügend Genuss in Deinem Leben ist, ausreichend Zärtlichkeit und Wärme, genügend Lachen, so viel Abwechslung, wie Du magst. Und nicht wie Dein Umfeld es Dir suggeriert.

Sei ehrlich zu Dir, was Du wirklich brauchst oder was nur Dein Partner oder Deine Familie oder Deine Freunde zu wissen meinen, was Du brauchst. Nutze den Kick aus der Komfortzone dazu, auszumisten. Und ich rede nicht nur von Deinem Kleiderschrank! Aber den meine ich auch. 😉 Und glaube mir, ich weiß, wovon ich rede – 5 Säcke habe ich vergangene Woche in die Kleiderkammer gebracht!

Sei ehrlich zu Dir, was Du weggeben möchtest. Und was Du behalten willst – mit offenem Herzen. Es geht ja nicht darum, plötzlich alles über Bord zu werfen. Es geht um einen frischen und klaren Blick auf Dein Leben und die Menschen, die um Dich herum sind. Auf das, was war und was Du bist. Du allein.

Strebe nicht danach, dass alles so bleibt wie immer – weil Du es gewöhnt bist. Das ist schwierig, weil unser Gehirn uns gewohnte Handlungen und Entscheidungen als die richtigen verkaufen will. Nutze vielmehr die Kraft, die der Kick aus der Komfortzone mit sich bringt für Dich. Tritt dem Katzenjammer mit Anlauf in den Hintern. Heule, wenn Du einen Scheiß-Tag hast. Doch dann ist es auch wieder genug. Sei Dir sicher, nach einem Scheiß-Tag kommt einer, der wieder besser ist. Glaube mir! Triff Dich nicht mit Menschen, die Dich mit Mitleid bedenken. Triff Dich mit denen, die Dir Trost spenden und Kraft. Das ist ein großer Unterschied!

Und dann fang‘ einfach neu an. Das geht nämlich immer, egal, wie alt Du bist. Du hast nämlich immer, immer, immer eine Wahl. Du! hast! eine! Wahl! Jeden Tag wieder. Lass das Dein Mantra werden.

Also: Willst Du mehr Leben, mehr Liebe, mehr Abenteuer, mehr Leichtigkeit, mehr Lässigkeit, mehr Sex, mehr Fröhlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und mehr Aufregung oder was auch immer – dann nutze das Verlassen der Komfortzone dazu, Dir genau das zu holen.

Egal, von wem und warum Du rausgekickt worden bist.

Sei Dir sicher, nach jeder Tiefphase, jedem Schlamassel – und sei er noch so tief, unfassbar ungerecht und unerwartet – geht es wieder aufwärts. Und wenn ich in meinem Leben bisher eines gelernt habe, dann ist es das: Es geht immer weiter.

Und: Hinterher ist es immer besser als zu vor. Es braucht nur ein bisschen Geduld, um das erkennen zu können.

LG Anja

Fotocredit: Photo by Annie Spratt on Unsplash

2 Kommentare

  1. Oh Anja, das hört sich aber nicht gut an. Also der Kick… das andere schon. Das kann ich auch nur bestätigen. Auf die Schnauze fallen gehört zum Leben und jedes Mal, wenn man danach aufsteht, fühlt man sich stärker und größer als zuvor. Egal was dich rausgekickt hat, ich wünsch dir Kraft und Stärke und dass es wieder aufwärts geht. LG Kerstin

  2. Manja sagt

    Liebe Anja, das ist mal wieder einer Deiner, für mich wertvollen und authentischen Texte, die das Leben schreiben. Schonungslos, ehrlich und absolut Real. Ich kenne genügend Menschen, die leider genau so „leben“ oder wohl eher existieren. Sollte denen wohl mal Deinen Beitrag vor die Nase halten 😉. Vielen Dank für so viel Ehrlichkeit und Selbstreflextion. Und für diesen Beitrag, der sagt, das Leben ist nicht immer ein Ponyhof.
    Liebste Grüße und bleib wie Du bist. Manja

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